Roadtrip nach Polen Teil 1: Opas Heimatdorf

Am Wochenende habe ich mit meinem Liebsten einen Roadtrip nach Polen unternommen. Samstag hin und Sonntag zurück.

Hier Teil 1 des Berichtes.

Tag 1 unserer Reise führte uns in die Vergangenheit meiner Familie, genauer gesagt in das Dorf, in dem mein Großvater väterlicherseits aufgewachsen ist.

Łętowo‬ ist ein winziges Dorf in der Woiwodschaft (Verwaltungsbezirk) Westpommern. Mit klein meine ich klein, es hat auch heute nur rund 230 Einwohner.
Als mein Großvater dort aufwuchs, hieß Łętowo noch Lantow und war deutsch, 1945 ist er mit 13 Jahren von dort geflüchtet.

Gelebt hat er im Bahnhofsgebäude des Bahnhof Suckow, dessen Gebäude auch heute noch zwischen Łętowo und dem nur unwesentlich größeren Dorf Żukowo steht. Die Bahnstrecke selber ist schon lange nicht mehr existent, man kann aber noch heute den Schriftzug ‚Suckow‘ am Haus lesen.

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Wir haben auch den heutigen Bewohner des Hauses getroffen. Allerdings sprach dieser weder Englisch noch Deutsch und wir kein Polnisch, so dass wir uns nicht verständigen konnten. Das einzige Wort, was ich von ihm verstanden habe war „Wehrmacht“. Wahrscheinlich hat er uns für ‚geschichtsinteressierte‘ Deutsche gehalten. Es gibt ja nun mal genug patriotische rechtsradikale Deutsche, die dem ‚verlorenen Land‘ hinterher trauern. Mir sind derlei Gefühle allerdings fremd. Erstens hat Deutschland damals nun mal die Quittung für millionenfachen Mord und Weltherrscherfantasien bekommen und außerdem bin ich aus dem Ruhrpott. Punkt. Das ist ’nur‘ der Landstrich, in dem vor vielen Jahren mein Großvater geboren wurde und aufgewachsen ist, und es war sehr interessant das mal zu sehen.

IMG_20160319_181202Trotzdem spannend: Ich habe dort eine alte Wasserpumpe fotografiert und bekam abend im Hotel freudige Nachrichten von
meiner Oma, dass das eben die Pumpe sei, mit der mein Großvater vor über 70 Jahren auch schon Wasser gepumpt hat.

IMG_20160319_173155Łętowo‬ liegt am Jezioro Łętowo (Lantower See). Ein traumhaftes Idyll. Im Sommer muss es dort traumhaft sein. Am See gibt es eine Fischräucherei und einen Steg, die allerdings Privatgrundstück sind. Die Besitzerin, eine freundliche Dame namens Helena, die ziemlich gutes Deutsch sprach, erlaubte uns aber zum Ufer zu gehen.

Ich denke, wenn man mal so richtig Idylle und Ruhe sucht, dann ist man dort genau richtig.

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Lantower See
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‚Straße‘ über die uns das Navi nach Łętowo schicken wollte.

Pro-Tipp wenn ihr in Pommern auf dem Land herum fahrt: Wenn ihr nicht grade in einem sehr geländegängigen Vehikel unterwegs seid, dann bleibt auf den asphaltierten Straßen. Aus wenn euch das Navi was anderes sagt und der Weg dadurch länger wird. Alles andere ist ziemlich abenteuerlich. Wir haben da unsere Erfahrungen gemacht.

 

 

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See in Krąg

Übernachtet haben wir übrigens in Krąg, früher Krangen. Das ist ein noch kleineres Dorf als Łętowo‬ und ebenfalls an einem See gelegen. Die Hauptattraktion ist dort das Schloss Krangen, welches heute ein Schlosshotel ist.

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See in Krąg

Wir haben uns allerdings für den wenige Meter weiter am See gelegenen Schlossgasthof/ Zajazd Zamkowy entschieden. Ebenfalls nur 20 Meter vom See entfernt, mit sehr freundlichem Personal mit dem wir uns mit Händen, Füßen und ein wenig deutschen und englischen Sprachbrocken verständigt haben, freiem WiFi (wichtig!) und Frühstück inklusive. Zusammen mit einem wirklich guten Abendessen haben wir für dieNacht im Doppelzimmer knapp ganz knapp über 50€ bezahlt. Da habe ich in Deutschland schon weitaus schlechter für weitaus teurer übernachtet.

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Abendstimmung am See

Fazit: Westpommern ist landschaftlich wunderschön. Man sieht den Dörftern und den Straßen allerdings an, dass es keine reiche Gegend ist. Dafür sind die Menschen sehr freundlich. Wer Ruhe sucht ist hier richtig.

Im zweiten Teil folgt dann: Unser Kurzbesuch in Gdansk/Danzig

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