Mein erster Bikini – zwischen #bodyshaming und #bodypositive

Selbst als ich wesentlich schlanker war hatte ich keinen Bikini. Nicht als Teenie, nicht als erwachsene Frau.
Ich hatte einfach nie das Gefühl eine Bikinifigur zu haben. Selbst als ich nicht unbedingt ‚dick‘ war. Ich war nun mal nicht so dünn wie die anderen Mädchen im Schwimmbad oder die Frauen an denen man Bikinis in der Werbung sah.

Und überhaupt. Auch wenn ich nicht dick war. Es reichte für doofe Blicke und Kommentare. Selbst im Badeanzug. Und ich erinnere mich auch noch gut an das Gejammer der dünnen Mädchen im Schulschwimmen, die sagten sie seien zu fett. Wenn die fett waren musste ich also ein Elefant sein. Und wir waren da 13 oder 14, herrje.

Dir wird als Frau beigebracht deinen Körper zu hassen. Ihn zu verstecken.

Es gibt diesen feministischen Spruch „Jede Frau hat eine Bikini-Figur“ und in einer Welt ohne Vorurteile wäre es so. In einer Welt in der du nicht für jedes Kilo Körpergewicht (zuviel) geächtet würdest.
Aber, seien wir ehrlich, so ist es nicht.

Auch wenn es mittlerweile tolle (Internet-)Shops für Plussizemode gibt. Mit Kleidung, die auch Frauen jenseits der Kleidergröße 40 toll aussieht. Kleidung, die keine Drei-Mann-Zelte sind. Sondern die Figur zeigen.
Aber selbst da ist nur allzu oft die Grenze bei Bademode. Klar gibt es die. Aber oft genug ist diese Kategorie dann eine einzige Enttäuschung. Da gibt es Shops bei denen alle Klamotten von tollen Plussize Models gezeigt werden und nur die Bademoden von Models Größe 34.
Oder Shops in denen Bademode einfach nur ohne Inhalt dargestellt wird.

bikini

Beide Varianten sind zutiefst deprimierend. Sie sagen damit einerseits: „Angezogene Plussizemodels (und somit ‚dicke‘ Menschen) sind okay, aber in Bademode? Das wollen wir niemandem zumuten.“

Außerdem habe ich so überhaupt keine Vergleichswerte. Wie soll ich mir bitte anhand einer Körperlosen Hölle oder mit einer Größe 34 als Vergleich vorstellen, wie so etwas an mir aussieht? Eigentlich sagen so aufgemachte Onlineshops nur eines: KAUF DAS NICHT, DU BIST ZU FETT DAFÜR!

Und so wurde ich 30 Jahre alt und besaß noch nie einen Bikini.
Und muss mir dann noch von Menschen vorwurfsvoll anhören: „Du bist nur nicht selbstbewusst genug!“

Fuck ja! Bin ich nicht!
Wie auch, wenn mir mein Leben lang auf sämtlichen Ebenen beigebracht wird meinen Körper zu hassen, weil ich zu fett bin! Am besten ist es noch, wenn mir Männer diesen Vorwurf machen. Tschuldigung, aber ihr habt keine Ahnung, weil ihr nicht in diesem Ausmaß mit der Ächtung leben müsst. Deal with it!

Mich verletzen solche vorwurfsvoll vorgetragenen Sätze. Es ist einfach nicht so leicht, wie es sich anhört. Egal wie lange ich mich schon mit Bodyshaming beschäftige. Egal wie selbstbewusst ich sonst so wirke.

Frauen vorzuwerfen, dass sie nicht selbstbewusst genug sind, ist schäbig.

Nun ja. Immerhin gibt es auch lobenswerte Ausnahmen im Onlineshop Business. Zufällig bin ich über den Onlineshop von Forever 21 gestolpert, der ja kein Plus-Size-Anbieter im eigentlichen Sinne ist, sondern eine ganz normale Modekette. Aber, und ich war darüber sehr begeistert, in ihrer Plussize Kategorie haben sie tolle Models, die ihre Kleidung vorführen, inklusive der Bademode. Models, denen nicht jede Rolle wegretuschiert wurde (natürlich sind die trotzdem gephotoshoppt :)), sondern die ihre Pölsterchen haben, an den gleichen Stellen wie ich.

forever21

Großartig! So will ich das sehen!
So kann ich mir auch vorstellen, wie ein Bikini an mir aussieht. Und dass er gut aussehen kann. Weil er auch für Menschen wie mich entworfen wurde.

Los, Plus-Size-Modelabels! Ich will das so von euch allen sehen!

Jedenfalls: Weil ich von dem Onlineshop begeistert war und mir vorstellen konnte, dass es Bikinis gibt, die auch an mir nicht vollständig scheiße aussehen…
…ist hier mein erster Bikini!
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Und Samstag geht’s mit meinem Liebsten ins Spaßbad o/ Da wird es sicher auch doofe Blicke geben, aber ich bin ja stark kurzsichtig, an denen gucke ich dann einfach vorbei.

4 Gedanken zu „Mein erster Bikini – zwischen #bodyshaming und #bodypositive

  1. Das ist ja klasse – „Dicken“-Klamotten im ganz normalen Laden als ganz normale Größe unter anderen 🙂 :-), nicht im Verschämt-für-Dicke-und-Omas-Laden oder im SuperSonderSpezialLaden Extrafürdicke, sondern ganz normal halt. So, wie Körperformen halt sind. Diversity is normal 😉

  2. Du bist meiner Frau Acht Jahre voraus. Meine Frau kaufte sich erst im vergangenen Jahr mit 38 Jahren ihren ersten Bikini. Hierzu musste ich etliches an Überzeugungsarbeit leisten. Sie war ihr Leben lang Anfeindungen ausgesetzt, weil sie immer etwas kräftiger war.

    Jetzt erst akzeptierte sie, dass die Leute sowieso gucken und sich über „die Fette lustig machen“ (O-Ton meiner Frau, egal ob sie einen Badeanzug, Tankini oder Bikini trägt. Wir waren gemeinsam im Schwimmbad und es war ein ganz normaler Besuch, abgesehen von ihrem verführerischen Aussehen.

  3. Es dauert zwar noch bis ich mir meinen ersten Bikini kaufe, aber es nervt mich generell, dass man als Übergewichtiger quasi vogelfrei für dumme Kommentare oder wohlgemeinte Ratschläge ist. Quatsche ich etwa ungefragt z. B. häßliche Menschen an!?

    Und dann gab es da diesen Laden in Friesland …
    http://wp.me/p6D0yV-ur

  4. Der Bikini sieht toll aus! 🙂

    Und was die Leute und ihre Kommentare angehen… lass die Leute quatschen! Die Menschen brauchen immer irgendwas zum Palabern. Für den einen Moment mag es deine Person sein… im nächsten Moment wird es eine andere Person sein.

    Ich frage mich zwar bis heute, was man davon hat… aber okay… scheiß drauf! Vielleicht ist denen ihr Leben zu langweilig sonst. ^^

    Und falls es dich tröstet: als ich dünn war, weil ich nun mal von Natur aus dünn war, wurde auch über mich gequatscht (ich würde ja an Magersucht leiden)… als ich angefangen habe Kraftsport zu treiben, damit ich Masse aufgebaut hab, wurde auch über mich gequatscht („die ist doch schon so dünn, was will sie mit so viel Sport“ oder „pass auf, dass du nicht zu männlich aussiehst hinterher“ oder oder oder)… als ich aufgrund anderer Prioritäten mit dem Kraftsport aufgehört hab, wurde auch über mich gequatscht („sie hat keine Disziplin“ oder nach einer Zeit auch „man sieht, dass sie keinen Sport mehr macht… sie hat schon zugenommen“).

    Ja mein Gott… im Endeffekt bin ich doch diejenige, die mit dem Körper rum rennen muss!!!

    Auf jeden Fall: es ist scheißegal WAS du machst und WIE du etwas machst, die Menschen zeigen immer auf dich und reden über dich, weil die sich selber nicht beschäftigen können. Also scheiß auf die! Die haben selber so viele Probleme und sind mit sich selber so dermaßen unzufrieden, dass die die Aufmerksamkeit auf wen anders lenken müssen um nicht selber in die Schusslinie zu geraten!

    Übrigens: du wirst in dem Bikini fantastisch aussehen!

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