#Klassentreffen – 10 Jahre später

Ich kann es nicht verleugnen – Ich bin 30. Da kommen dann auch so Jubiläen wie 10 Jahre Abitur.
Ist das wirklich schon 10 Jahre her?
Ja ist es. Und ich bin froh 10 Jahre Leben, Lebenserfahrung und tolle Erlebnisse und Erfolge wie Misserfolge zwischen mich und mein Schülerinnen-Ich gebracht zu haben.

Nun stand also das große Klassentreffen an.
Großes Wiedersehen nach 10 Jahren, Sektempfang, unter großem Hallo eine Führung durch die Schule. Wow, sie haben eine moderne Kantine angebaut! Es gibt interaktive Whiteboards in allen Klassenräumen! Aber der Biologieraum. Der sieht noch aus wie damals, als wäre meine letzte Stunde Biogrundkurs eine Woche her.

Dann feiern. Mit lecker Buffet und Fotos von damals und in Erinnerungen an die schöne, unbeschwerte Zeit schwelgen.
Ja die Fotos. Fotos von den Abivorfinanzierungsfeten. Von der Kursfahrt nach Malta. Von der Mottowoche.
Die Fotos, die eben auch den großen Haken an meiner Schulzeit zeigen. Ich bin nämlich auf keinem einzigen der Fotos drauf.

Meine Schulzeit war nämlich nicht schön. Meine Schulzeit bestand in großen Teilen aus Mobbing und geschnitten werden. Auch von Menschen, mit denen ich jetzt hier in der Bar sitze und lache.

Naja, ich war kein cooles Kind. Ich hab das mit der Mode und den richtigen Klamotten nie ganz kapiert. Ich hab nie geschnallt welche Serien man gesehen haben musste. Im Rückblick denke ich: Ich habe das Teenie-sein und die anderen Teenies nie ganz verstanden. Und die anderen Teenager dementsprechend auch mich nicht.

Die Folgen waren eben Mobbing, Ausgrenzung und große Einsamkeit. Am Ende der Schulzeit war diese Einsamkeit wohl auch selber gewählt. Jahre später hat mir mal jemand gesagt, dass ich in der Oberstufe gewirkt habe, als hätte ich eine hohe Mauer um mich herum gebaut. Das war wohl so. Ich habe mir einen langen schwarzen Mantel angezogen und böse geschaut. Aber ignoriert werden war besser als gemobbt werden.

Jetzt sitz ich also in dieser Bar und ja die Leute sind echt nett. Aber ich bin ja auch nicht mehr die seltsame Teenagerin von damals. Ich bin die 30 jährige FrauMaja von heute.
Ja, der Typ, der damals in der Oberstufe am schlimmsten war, der ignoriert mich noch heute. Aber der versteckt auch seinen zurückweichenden Haaransatz unter einer Kappe. Wer nach 10 Jahren nicht erwachsen geworden ist: Drauf geschissen.

Der Rest ist 10 Jahre älter und erwachsen und hat Lebenserfahrung gesammelt. Genau wie ich.

Und mein Leben ist gut geworden!
Es ist nicht immer alles glatt gelaufen, aber ich habe tolle Dinge gemacht. Ich bin auch heute nicht der Mainstream, aber anders als in der Schule kann man sein Leben ja so gestalten, dass es zu einem passt. Das ist das schöne am Erwachsen sein. Ich gucke auch heute nicht die ‚richtigen‘ Serien. Dafür habe ich schon mal für den Bundestag kandidiert. Politik finde ich einfach spannender als 3 Staffeln Game of Thrones.
Ich reise, ich lebe, ich liebe, ich kenne tolle und spannende Menschen. Ich bin unverbesserliche Weltverbesserin geblieben.
Mein Leben ist gut geworden und ich bin mir treu geblieben.

Und deshalb verspüre ich auch gegenüber meinen alten Schulkollegen keine Bitterkeit. Und als ich genug Familien-, Job-und Kindergeschichten gehört habe, gehe ich nach Hause und weiß: In 10 Jahren werde ich wieder dabei sein.

Ein Gedanke zu „#Klassentreffen – 10 Jahre später

  1. ich sag mal so: wer vor 10 Jahren mit Dir auf Kriegsfuß stand und heute immer noch nicht kommuniziert, hat vermutlich ganz andere Probleme ;).

    Ansonsten gilt: 10 Jahre sind nichts. Ein Wimpernschlag. Warte mal die 35 ab, oder dir 50. Dann wirst Du sehen wer sich *wirklich* verändert hat, und wer in alte Muster zurückfiel. Letztere werden die Mehrheit bilden. Achte mal drauf: Wer ist jetzt (mit 30) noch abweichend vom Mainstream, und wer ist es noch mit 55 oder 70. Die Zahl der Abweichler wird sinken. Auch Du wirst dazugehören können, aber nicht müssen.

    In 25 Jahren hat sich natürlich auch der Mainstream verändert ( 10 Jahre läuft da kaum was). Es kann dann sein, dass plötzlich die „Anderen“, heute Stromlinienförmigen, alt aussehen. Watch out, and d’nt be surprised!

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