Fall #GinaLisa – Ein richtiges Scheißgefühl

Gina-Lisa Lohfink wurde wegen falscher Beschuldigung zu einer Geldstrafe verurteilt, weil nicht nachgewiesen werden konnte, dass ihr K.O. Tropfen verabreicht wurden bevor dann 2 Männer gegen ihren Willen mit ihr geschlafen haben. Obwohl es ein Video gibt, von der Situation gibt, Millionenfach geklickt, in dem sie eindeutig ‚Nein‘ sagt und dieses ‚Nein‘ nicht akzeptiert wird.

Okay.

Ich muss sagen, dass mich dieses Urteil ziemlich verunsichert.
Was bedeutet das jetzt für mich als Frau?

Wenn eindeutige Beweise existieren, dass eine Frau vergewaltigt wurde und nicht nachgewiesen werden kann, dass K.O. Tropfen eingesetzt wurden, dann war es keine Vergewaltigung?

Wenn ich mich einfach nur betrinke und dann jemand ohne meine Zustimmung mit mir schläft, ist das dann weniger schlimm als wenn K.O. Tropfen eingesetzt wurden? Oder ist das dann weniger Vergewaltigung?

Wie soll ich als Frau überhaupt unbesorgt auf einer Party Alkohol trinken, wenn ich im Hinterkopf habe, dass mir was passieren könnte und ich damit rechnen muss, dass mir nicht geholfen wird? Im Gegenteil: Wenn mir nachher gesagt werden könnte, dass ich selbst schuld bin?

Selbst wenn keine K.O. Tropfen eingesetzt wurden und Gina-Lisa ’nur‘ betrunken war, ändert das irgendetwas?

Und nun schreiben mir wieder Männer „dass das Gericht ja wohl eindeutig festgestellt habe, dass da nix war“
Wie gesagt: Ein Gutachter will auf Grund eines Videos festgestellt haben, dass keine K.O. Tropfen eingesetzt wurden, also eine Substanz, die 6-12 Stunden nach Verabreichung nicht mehr im Blut nachweisbar ist.
Ändert das was daran, dass dort eine Frau gefickt wird, obwohl diese ‚Nein‘ sagt? Ergo: Vergewaltigt wird?

Andere Männer schreiben mir „dass ich doch keine Angst haben müsse, weil mich eh niemand ficken wollen würde!“
Als ob es ein Qualitätsmerkmal für eine Frau wäre, wenn sie Männer vergewaltigen und ich eben diesem Qualitätsmerkmal nicht entspreche.
Verdammt, bei so einer Schlussfolgerung wird mir erst recht Angst und Bange!

Und dann der Typ, der meinte ein ‚Nein‘ würde nur gelten, wenn es VOR dem Geschlechtsverkehr ausgesprochen werde und nicht, wenn es sich frau mittendrin anders überlegt. Doch verdammt! Wozu gibt es wohl bei Praktiken wie beim BDSM sowas wie Savewords? DAMIT man es sich anders überlegen kann! Damit der Grundsatz des beidseitigen Einverständnis gewahrt bleibt! Und das ist NATÜRLICH nicht nur bei ‚extremeren‘ Sex-Spielarten so, beim Blümchensex gilt das ganz genauso! Jede*r hat jederzeit das Recht aufhören zu wollen. Und das ist zu respektieren!

Mich verstört das Urteil im Fall Gina-Lisa. Aber die Reaktionen darauf verstören mich fast noch mehr. Die Typen, die jetzt wieder sagen wir Frauen sollen uns doch nicht so haben. Oder wir sollen halt nicht so viel saufen. Oder ähnlich schlimme Dinge.

An solchen Tagen wie heute denke ich mir (Als Frau, und nicht mal vordergründig als Feministin), mir bleibt nur eines übrig: Auf Parties keinen Alkohol trinken, nicht alleine weggehen und hoffen, dass mir ansonsten nichts passiert. Weil ich sonst nicht davon ausgehen kann, dass mir geholfen wird.

Mir macht dieser Gedanke zitternde Hände und Sodbrennen.

Ein richtiges Scheißgefühl.

9 Gedanken zu „Fall #GinaLisa – Ein richtiges Scheißgefühl

  1. So weit ich das verstanden habe, geht das Gericht davon aus, dass sich das „Nein“ nicht auf die Gesamtsituation bezogen hat, sondern nur auf einzelne Aktionen wie das Filmen oder den Oralverkehr.

    Wo wir uns denke ich einig sind ist, dass Oralverkehr ohne Zustimmung bzw sogar klarer Ablehnung auch eine Vergewaltigung ist.

    Beim Video kann man tatsächlich schon darüber streiten. Eine sexuelle Vergewaltigung ist das wohl nicht, aber eine psychische – wenn man das so nennen kann. Vor allem, wenn das Video dann auch noch öffentlich wird.

    Was wir jedoch alle nicht wissen, ob zwischen dem Nein zum Oralverkehr und dessen Durchführung es nicht doch noch eine Zustimmung kam. Im öffentlichen Video fehlt da nämlich ein Ausschnitt.

    Der Gutachter sagt zu den KO-Tropfen, dass jemand unter deren Einfluss nicht einerseits unfähig zur Wehr und gleichzeitig fähig zum Telefonat mit der Managerin sein kann. Ist nicht ganz von der Hand zu weisen.

    Somit ergibt sich für mich eher die Situation: Aussage gegen Aussage wobei an Teilen(!) der Aussage von Lohfink Zweifel bestehen (KO-Tropfen). Und wenn es keine KO-Tropfen gab und es wirklich nur Übermaß an Alkohol oder „eigenen“ Drogen war, wieso erfindet sie das dann?

    Wie man es auch betrachtet, aus dem öffentlichen Material kann man weder die Schuld noch die Unschuld der vermeintlichen Opfer oder Täter bestimmen – Zumindest meiner Meinung nach.
    Es kann nicht sein, dass eine tatsächliche Vergewaltigung ungestraft bleibt und es kann genau so wenig sein, dass trotz Zweifel eine erfundene Vergewaltigung das Leben zweier Menschen ruiniert.

    Widerwärtig ist in jedem Fall aber, wie überwiegend „Team Gina Lisa“ völlig aus dem Zusammenhang reißt, dass Vergewaltigung jetzt doch OK wäre und „nein“ wieder „ja“ heiße. Denn genau darum ging es beim heutigen Urteil eben nicht.

  2. Das Urteil ist schon wirklich unverschämt, zumal KO-Tropfen nur 12h im Blut nachweisbar sind:

    http://www.ko-tropfen-nein-danke.de/beweise-sichern.0.html?&L=0

    aber gab es denn eine Haarprobe ?

    Zu einem späteren Zeitpunkt gibt es noch die Möglichkeit über eine aufwändige Haaranalyse den Nachweis von K.O.-Tropfen anzutreten. Dies kann von der Staatsanwaltschaft angeordnet werden. Ansonsten musst du sie auch aus eigener Tasche bezahlen. Mehr erfährst du beim Institut für Rechtsmedizin der Charité, Abteilung Forensische Toxikologie.

  3. Im ersten Absatz ist das „gegen ihren Willen“ falsch. Das Gericht hat festgestellt, dass einvernehmlich gehandelt wurde.

    Damit ist der ganze Beitrag nichtig.

  4. ‚Wenn eindeutige Beweise existieren‘

    4 Jahre Verhandlung. Hätte man sich doch sparen können, hätte man einfach Frau Maja gefragt!
    Allein die Kosten die man sich hätte sparen können!
    Skandalös sowas und etwas was mich triggert und sehr traurig macht

  5. Da ja gerne mal behauptet wird, dass Lohfink der Glaubwürdigkeit aller anderen Vergewaltigungsopfer gebracht habe. Ich behaupte, das ist der medialen Schlammschlacht und den üblichen Pappenheimern in den Kommentarspalten zu verdanken.
    Tatsächlich muss man den Fall und den Prozess auch differenziert betrachten. Dass das Gericht Zweifel hatte, ob es sich eindeutig um Vergewaltigung handele, ist eine Sache. Dass aus der geäußerten Vermutung, dass K.O.-Tropfen mit im Spiel gewesen sein könnten, nun plötzlich eine Falschbeschuldigung wurde ist aber eine ganz andere. Wobei ich hier auch gerne mal ne Auseinandersetzung lesen/sehen möchte, um das Urteil besser nachvollziehen zu können. Dennoch ist das Urteil ein fatales Signal und bestätigt das, was der Prozess mehr als verdeutlichte und sich in deinem Post auch wieder findet: wenn du nicht einvernehmlichen Geschlechtsverkehr anzeigst, wirst du nicht auf Hilfe hoffen dürfen. Und wenn du Pech hast, wirst du auch außerhalb des Gerichtssaals entblößt und auseinandergenommen. Und da muss man sich nicht wundern, wenn Vergewaltigungen nicht angezeigt werden, weil man ein zweites Martyrium nicht auch noch in Kauf nehmen möchte.

    1. Genau, entblößt und auseinandergenommen. Kein bißchen Zweifel an der eigenen Ideologie darf Frau haben, die sich wie auch immer vergewaltigt fühlt.
      Noch die größten Lügen, wie das es keine Falschbeschuldigung geben kann, darf man diesen primitiven und dummen Frauen auftischen, damit sie im Sinne des Feminismus handeln.

  6. Was mich erschreckt: dass Gina Lisa zur Gallionsfigur einer guten Sache gemacht wurde, aber dann die Fakten, wie sie sich im Prozess heraus stellten, einfach nicht zur Kenntnis genommen werden.

    „Sie habe einen Filmriss gehabt, sagt Lohfink. Erst als sie die Videos gesehen habe, sei die Erinnerung an die Nacht bruchstückhaft zurückgekommen. Dennoch schreibt sie einem der Männer weiter WhatsApp-Nachrichten, dass sie ihn vermisse. Und dass die Erinnerung nach Verabreichung von K.-o.-Tropfen zurückkomme, sei medizinisch unmöglich, sagt ein toxikologischer Gutachter, der sich sämtliche Videosequenzen aus jener Nacht angeschaut hat und zu dem Schluss kommt, dass Lohfink wach, vollkommen orientiert, ansprechbar und aktiv gewesen sei.
    Diese Szenen zeigen, wie sie für das Video posiert, raucht, tanzt und singt, direkt in die Kamera blickt. Zum Abschied schürzt sie die Lippen. Ihre Managerin hat ausgesagt, sie habe mit Lohfink telefoniert, während sie noch in der Wohnung eines der beiden Männer gewesen sei. Sie habe gerade Pizza bestellt, habe Lohfink ihr da unbefangen erzählt. Er habe schon sehr oft Frauen begutachtet, die K.-o.-Tropfen verabreicht bekommen hätten, von einigen Vorfällen gebe es ebenfalls Videos. „Die Frauen werden wie Gummipuppen durch Betten geschleudert“, sagt Gutachter Torsten Binscheck-Domaß. „Die können weder rauchen noch ihre Managerin anrufen oder erzählen, dass sie Pizza essen wollen.“

    Auch ihre Story von Verletzungen waren wohl gelogen, da das am Ende noch vorgezeigte „Gedächtnisprotokoll“ einer Frauenärztin keinerlei Verletzungen bestätigte.

    http://www.welt.de/vermischtes/article157807277/Verhoehnung-aller-die-tatsaechlich-Opfer-geworden-sind.html

    Oder auch das:

    „Als wieder Ruhe im Saal eingekehrt ist, sagt Richterin Antje Ebner, es habe viele Fragen gegeben, die sie Frau Lohfink nicht habe stellen können, weil die Verteidiger dies nicht zuließen. Sie hätte sie zum Beispiel gerne gefragt, wie es sein könne, dass eine Frau mit schmerzhaften Wunden von einer Vergewaltigung sich am nächsten Abend fit genug fühlt, um mit einem ihrer angeblichen Vergewaltiger erneut Sex zu haben. Nun gut, alles nicht mehr zu klären. “
    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/gina-lisa-lohfink-urteil-ein-hohn-fuer-echte-vergewaltigungsopfer-a-1108961.html

    Da muss doch auch frau mal zugeben, dass GL die falsche Person für die gute Sache war! Sonst kann man sich doch eigentlich alle Debatten sparen, wenn es gar nicht mehr darauf ankommt, was tatsächlich stattgefunden hat, sondern nur noch darauf, wie politisch Interessierte die Dinge gerne sehen wollen!

  7. Das Scheißgefühl kann ich nachvollziehen.

    Vom Fall Lohfink bin ich verwirrt. Den Fall hatte ich auch nicht so sehr verfolgt, um hierzu wirklich etwas sagen zu können.  Unsere Justiz hat stets Schwierigkeiten, wenn Aussage gegen Aussage steht. Man kann den Menschen leider nur bis vor den Kopf gucken und muss auf deren Aussagen vertrauen. Leider kommt es immer wieder vor, dass Taten frei erfunden werden. Diese Fälle beeinträchtigt stets auch die Glaubwürdigkeit tatsächlicher Opfer.

    Nach der Silvesternacht schien es fast so, als würden in Deutschland Frauen nur von Ausländern belästigt und vergewaltigt. Dem ist nicht so. Zwar mag in anderen Kulturen die Alltagsgewalt gegenüber Frauen noch offener zu Tage treten, hierzulande schob nach langem, feministischem Kampf der Gesetzgeber diesem ein Riegel vor, das bedeutet jedoch nicht, dass es diese nicht gibt. Die Frauenhäuser existierten nicht ohne Grund auch schon vor der Silvesternacht.

    Vergewaltigung und auch Kindesmissbrauch sind leider keine Seltenheit. Mir sind zwei Frauen bekannt, die als Kind missbraucht wurden und drei weitere die als Jugendliche bzw. junge Frauen vergewaltigt wurden. Allen gemeinsam ist, sie sprechen alle nur ungern über ihre Erfahrungen. Eine von ihnen erzählte mir, dass ihr Gedanke während der Vergewaltigung nur ihrem Überleben galt und sie auf Gegenwehr verzichtete und mit sich geschehen ließ. Dafür habe ich vollstes Verständnis. Das mindert jedoch keineswegs die Schuld des Täters. Ebenso mindert es niemals die Schuld, wenn das Opfer generell ein freizügiges Leben führt oder wenn es zu sexy gekleidet war. Zum Thema aufreizende Kleidung möchte ich hier nur ganz kurz erwähnen, dass man aktuell über das Gegenteil davon ziemlich heftig diskutiert und so mancher es am liebsten verbieten möchte.

    Obwohl im Artikel 3 unseres Grundgesetzes ganz klar die Gleichberechtigung von Mann und Frau verankert ist, so ist unsere Gesellschaft ist noch immer zutiefst patriarchalisch geprägt. Äußerungen wie „Die muss mal ordentlich durchgevögelt werden.“ geben ein klares Zeugnis ab, wie sehr Gewalt gegen Frauen noch immer als legitimes Mittel betrachtet wird. Diese Äußerungen sind nicht selten, wenn man sich in verschiedenen Männerrunden umhört. Für mich als Mensch der weder beherrschen noch beherrscht werden möchte, ist dieses absolut unverständlich. Deshalb liegt mir fern irgendetwas mit Gewalt zu nehmen und deshalb bin ich vermutlich auch Feminist.

    Für alle sollte es selbstverständlich sein:

    Ein NEIN ist immer NEIN und hat von jedem respektiert zu werden.

    Hilflose Personen dürfen niemals ausgenutzt werden. Wenn eine Person offensichtlich derartig berauscht ist, dass ihr Urteilsvermögen erheblich beeinträchtigt ist, wird eine unter diesen Umständen gegebene Zustimmung Null und Nichtig.

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