Als es in #Kaltland kurz warm wurde. Ein Jahr #TrainOfHopeDO

Wir waren an diesem 5. September 2015 eigentlich schon auf dem Weg ins Bett.

Der Mann und ich hatten uns nämlich auf einer Demo gegen die Nazis von ProDeutschland ganz schön durchfrieren lassen, weil es die ganze Zeit geregnet hatte.

Wir hatten die letzten Tage schon die Meldungen verfolgt. Wie sich Geflüchtete von Budapest aus auf den MarchOfHope Richtung Österreichische Grenze begaben, wie sie schließlich in Deutschland ankamen, wie Menschen schon an den Süddeutschen Bahnhöfen wie München großes leisteten um die Refugees in Empfang zu nehmen und mit dem nötigsten zu versorgen.

Nun waren wir also auf dem Weg ins Bett, als auf Twitter die ersten Gerüchte auftauchten, die schnell bestätigt wurden: Irgendwann in der Nacht sollten Züge mit rund tausend Geflüchteten in Dortmund ankommen.
In Windeseile organisierte sich selbstständig über Twitter und Facebook Hilfe.
Für Roman und mich war klar: Wir fahren auch hin. Wir haben uns dann anderthalb Stunden hingelegt und sind dann nach Dortmund gestartet.
Angekommen war der Eindruck überwältigend: Hunderte Helfer hatten waren bereits dabei zusammengetragene Hilfsgüter zu kleineren Lunchpaketen zu packen und Kleiderspenden zu sortieren.
Und es wurden immer mehr!

Schließlich wurden alle Spenden in das Keuninghaus gleich hinter dem Bahnhof gebracht wo die Ankommenden später kurz zur Ruhe kommen sollten, bevor sie mit Bussen auf verschiedene Unterkünfte in NRW verteilt werden sollten.

Natürlich ließen es sich auch die Dortmunder Nazis in dieser Nacht Krawall nicht nehmen schlagen zu wollen, aber ihr Auftritt blieb peinlich und begleitet von einem gewohnt schwachen Agieren der Polizei aber war kurz darauf schon vergessen, als einige Kurden eine spontane musikalische Party auf dem Bahnhofsvorplatz starteten.

Viele Menschen blieben die ganze Nacht bis am späten Morgen dann die Züge endlich eintrafen und nahmen die Geflüchteten in Empfang.
Roman und Ich hatten uns in den frühen Morgenstunden entschlossen heim zu fahren um Schlaf zu kriegen und waren erst am Mittag, als die Menschen mit Reisebussen weiter geschickt wurden, wieder am Bahnhof.

Aber glaubt mir, wir haben dort viele zu Tode erschöpfte, aber sehr glückliche Menschen gesehen. Für sie bedeutete das Ankommen in Deutschland Sicherheit. Kein Krieg mehr.
Und da waren nicht nur junge Männer. Sondern auch viele Familien. Frauen mit Kleinkindern. Die alle den Weg über das Mittelmeer und dann quer durch Osteuropa hinter sich gebracht hatten.

In den Tagen danach kamen immer wieder Züge mit Geflüchteten in Dortmund an und viele ehrenamtliche Helfer*innen haben dort auch weiterhin großartiges geleistet. Kleiderspenden sortiert, Ankommende mit Essen und Kleidung versorgt. Und das alles freiwillig. Ohne Bezahlung. Aber aus Überzeugung.

In diesen Tagen war es in Kaltland kurz warm.

Und jeder, der dabei war wird sich wohl an diese Nacht und an die Wärme erinnern. Daran was Menschen in kürzester Zeit auf die Beine stellen können. Und daran, dass helfen und Willkommen heißen das richtige ist.

Seitdem ist die Stimmung wieder sehr umgeschlagen. Es wird offen gegen Geflüchtete gehetzt und die Bundesregierung beschließt eine Asylrechtsverschärfung nach der anderen.

Aber es gibt auch immer noch tausende Menschen, die jeden Tag ehrenamtlich mit Geflüchteten arbeiten und ihnen den Start in Deutschland erleichtern wollen. Diese sollten wir auch nicht vergessen.
In Kaltland ist zwar wieder Winter, Winter mit blau-brauner Kälte, aber da sind noch die vielen leuchtenden Wärmepunkte.

Ich bin immer noch der Meinung, dass der Satz ‚Wir schaffen das!‘ richtig ist. Aber ich wünsche mir, dass die Bundesregierung es auch schaffen WILL. Natürlich ist es eine Herausforderung, wenn viele Menschen neu in ein Land und eine für sie fremde Kultur kommen. Aber es ist machbar. Es sollten nur von staatlicher Seite nicht so viele Steine in diese Lebenswege gelegt werden.

Ein Gedanke zu „Als es in #Kaltland kurz warm wurde. Ein Jahr #TrainOfHopeDO

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