Nichts ist schlimmer als Schweigen.

Herr Höcke hielt Anfang der Woche eine Rede. Eine eklige Rede. Eine Rede in der er klar machte, was er sich für unser Land wünscht und diese Wünsche stammen aus den finsteren Zeiten Deutschlands.

Mich haben diese Wünsche Höckes erschreckt. Was ich mich aber mindestens genauso erschreckt hat, war die Menge an Menschen, die mir gesagt haben, ich solle mich doch nicht drüber aufregen sondern am besten einfach ignorieren. Der Typ sei halt ein Wirrkopf und außerdem sei das ganze ja von der Meinungsfreiheit gedeckt.

Erstens bezweifle ich mal ganz stark, dass beispielsweise eine Verächtlichmachung des Gedenkens an die Shoah von der Meinungsfreiheit gedeckt ist.

Zweitens ist Höcke kein Wirrkopf. Leider nicht. Höcke ist ein rechtsextremer mit besten Verbindungen zu rechtsextremen Ideologen und er ist ein brillianter Redner. Und das sage ich nicht mit Bewunderung sondern in dem Wissen, dass ihn das gefährlich macht.

Drittens kann man sich natürlich beklagen, dass sich jetzt so viele Menschen über Höcke aufregen. Aber ganz ehrlich, mir würde es sehr viel mehr Sorgen machen, wenn die kritischen Stimmen verstummen würden.

Natürlich ist die gezielte Provokation auch eine kalkulierte Methode der AfD. Sie testen die Grenzen aus und wenn sich Menschen aufregen rudern sie zurück. Das ist schon oft genug passiert. Aber: Die Aussagen stehen im Raum. Eine menschenfeindlicher als die andere. Und sie finden Zustimmung.
Und weil sie Zustimmung finden, dürfen sie nicht ignoriert und verharmlost werden.

Ich brauche mir nur ausrechnen was es für mich persönlich bedeuten würde, wenn die AfD den „vollständigen Sieg“, den sich Höcke wünscht, erringen würde.

Die AfD wünscht sich eine Rückkehr zum traditionellen Familienbild. Und Höcke spricht davon, dass er sich die Leute „als Eltern wünscht“. Ergo: Mir als Frau fiele dann die Aufgabe zu Kinder fürs Vaterland zu gebähren. Frauen würden ihre Unabhängigkeit verlieren.
Das ist ein Gedanke, der mir Angst macht. Ich bin aufgewachsen und wurde mit der festen Überzeugung erzogen Männern gleichwertig und ebenbürtig zu sein. Ich habe mich immer so verhalten, auch wenn das einigen Herren nicht gepasst hat.
Und der Gedanke, dass sich das je ändern könnte schnürt mir die Kehle zu.
Mag ja sein, dass grade Männer, die mir raten mich nicht au aufzuregen und die AfD zu ignorieren, diese Gedanken nicht nachvollziehen können. Aber ich möchte gerne in einer Gesellschaft leben können, in der ich über meinen Körper und über mein Leben selbst entscheiden kann. In der ich nach meinen Fähigkeiten und nicht nach meinem Geschlecht beurteilt und behandelt werde. Ich möchte sogar eine Gesellschaft in der das noch mehr als jetzt schon der Fall ist. Und das beinhaltet auch, dass ich mich gegen die wende, die mir meine Rechte wegnehmen wollen. Ja, da bin ich ganz egoistisch.

Aber nicht nur das. Ich wende mich gegen das Gedankengut der AfD nicht nur wegen mir, sondern auch wegen denen, die es sogar noch schlimmer ginge. Wegen denen, die nicht deutsch und christlich sind. Die, die noch schlimmer unter dem Rassismus und Chauvinismus zu leiden hätten. So etwas nennt sich Solidarität.

Wenn wir in einer offenen, toleranten Gesellschaft leben wollen und wenn wir den Anspruch haben, dass die Gesellschaft so bleibt und sich positiv weiterentwickelt, dann dürfen wir nicht beim „Betrifft mich nicht“ stehen bleiben, sondern solidarisch handeln.

Und wir müssen eine positive Gesellschaftsvision entwickeln. Gegen Konservatismus, Chauvinismus, Rassismus, etc. zu sein ist wichtig, reicht aber nicht aus. Wir müssen auch eine eigene Vision, einen positiven Blick in die Zukunft entwickeln auf den wir hinarbeiten können.

Das wünsche ich mir auch von den demokratischen Parteien. Es reicht nicht, wenn sie nun empört die Überwachung der AfD durch den Verfassungsschutz fordern, wenn sie dann die nächste Asylrechtsverschärfung und das nächste Sicherheitsgesetz positiv mit abstimmen. Wenn Parteien Haltung zeigen wollen, dann dürfen sie nicht den rassistischen Konsens mittragen, sondern müssen klar sagen: Das ist nicht unsere Überzeugung, wir haben ein anderes Menschenbild und dementsprechend handeln wir. Dann wäre ihre Empörung auch nicht nur purer Aktionismus zur Wähler*innenberuhigung.

Auch Politik kann aktiv an einem antirassistischen Gesellschaftskonsens arbeiten, in dem die Rechte eines Menschen nicht am Geschlecht oder an der Herkunft oder der körperlichen Unversehrtheit bemessen werden.
Bitte liebe Parteien, fangt endlich damit an!

Und jedem einzelnen, der sagt „Was kann ich alleine schon tun?“: Hey, wir sind viele. Geh zur Wahl, sprich mit deinen lokalen Politikern, sprich mit deinen Mitmenschen, diskutiere wie du dir eine offene Gesellschaft vorstellst. Du hast eine Stimme!

Und nichts ist schlimmer als Schweigen.

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