Ach so ist das also! #ADHS

Das lebenslange Gefühl nicht ganz reinzupassen in die Gesellschaft.
Nicht das Gefühl dafür zu haben was ‚richtig‘ ist als Kind und Teenie. Nicht das Gefühl für die richtigen Klamotten oder die richtigen Serien, die man gesehen haben musste.
Kein Gefühl zu haben, ob ich mich in einem Gespräch richtig verhalte und dann gesagt zu bekommen, dass ich zu viel rede, Gespräche an mich reiße, Leuten ins Wort falle. Nicht aus Rücksichtslosigkeit, sondern weil ich es nicht mitkriege. Das ändern wollen und daran scheitern.
Keine Filme gucken zu können ohne Menschen im Kino zu stören, keine Vorträge besuchen können ohne zu zappeln oder die ganze Zeit mit dem Handy zu spielen.
Keine strukturierte Ordnung halten können.
Die Verträumtheit als Kind.
Als Erwachsene die Zappeligkeit und schnelle Überforderung in manchen Situationen, und völlige Unterforderung in anderen.
Als Kind mich völlig in Bücher versenken zu können und stunden- und tagelang zu lesen.
Als Erwachsene nicht mehr die Konzentration für Bücher zu haben. Zig Bücher anfangen und sie nicht zu ende lesen.
Hobbies anfangen und nicht durchziehen. In vielen Dingen ein bisschen gut zu sein, aber nichts richtig zu können, weil ich nichts durchgezogen habe.
Das Gefühl mich in Gesprächen nicht richtig ausdrücken zu können, weil meine Gedanken schneller sind als mein Mund und auch zu detailliert und verstreut als man mit Worten ausdrücken kann.
Aus Langeweile zu essen.

Alles das hat seit dieser Woche offiziell den Namen ADHS.

Okay, wieso auch nicht. Ich habe fast ein Jahr auf diese Diagnose hingearbeitet und jetzt wo ich sie habe, bin ich erstaunlich unbeeindruckt.

Ich glaube größer als der Schritt die Diagnose zu haben und jetzt zu probieren, ob mir Ritalin/Medikinet im Alltag hilft, war es die Diagnostik überhaupt anzufangen und durchzuziehen.
6 Monate auf den Ersttermin bei den Spezialisten zu warten. Jeweils den langen Weg zu den Terminen auf mich zu nehmen. Die Tests zu machen. Die benötigten Blutbilder, das MRT etc. bei den jeweiligen Ärzten zu bekommen. Mich mit mir selber auseinander zu setzen und zu spüren wann mich eine Situation überfordert. Mich auf den Weg auch nicht in neue Projekte zu stürzen, die mich vielleicht interessieren aber vielleicht von diesem Weg abgelenkt hätten.

Kurz: Ich hab’s durchgezogen. Das ist eine super Sache.

Vielleicht werde ich demnächst ein bisschen was über ADHS schreiben. Als neue Kategorie in meinem Blog.
Auch wenn ich das ganze nicht als Krankheit empfinde, scheint es da noch viel Tabuisierung und auch Vorurteile zu geben.
Das muss ja nicht so bleiben.

2 Gedanken zu „Ach so ist das also! #ADHS

  1. Ja, ich finds gut, dass du dein Problem so gezielt angehst. Aber ich finde die aktuelle Diskussion zu ADHS (ähnlich auch zu Aspergers) etwas überhitzt. Eigentlich sind Leute doch einfach verschieden, und die allerwenigsten von uns passen in das auch von dir oben beschriebene genormte Leben. Wir sind uns doch einig, dass die Normung das eigentliche Problem ist, nicht wahr? Ich hoffe, du kriegst alles geregelt, ohne auf Ritalin zurückgreifen zu müssen. Sachen vergessen, nicht zu Ende bringen oder Leuten versehentlich ins Wort fallen ist doch völlig menschlich, und wenn jemandem das alles nie passiert, steht der/die Betreffende doch eher schon mit einem Bein im Zwangsverhalten. Was kreativeren, ungeregelteren Leuten eben nicht so leicht passieren kann.

  2. Hi Maja,

    bin ueber deinen Gastbeitrag hier gelandet. Ich bin etwas stutzig geworden, als du ueber deine Schwierigkeiten in sozialen Situationen geschrieben hast. Mit ADHS ist haeufiger auch das Asperger-Syndrom assoziiert. Bevor du gleich nein sagst, google mal „female aspergers“. Moeglich, dass ich falsch liege; moeglich aber auch, dass Dir ein Licht aufgeht.

    Herzliche Gruesse
    Sarah

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