#ADHS und #Sport – Langstreckenläuferin werde ich nicht mehr.

Ich habe Leute nie verstanden, die gerne laufen. Also so als Sport.

Also nicht nur, dass ich hier in der Nähe keine wirklich tollen Laufstrecken habe und außerdem immer nicht die sportlichste war – Laufen ist ja auch Kopfsache. Ich habe schon öfter von dem tollen Gefühl gehört, dass sich einstellt, wenn man irgendwann nicht mehr denkt, sondern nur noch läuft.
Und da hört es bei mir halt auf. Da bin ich raus. Kann ich nicht.
Laufen ist mir zu reizarm. Ich muss mich nicht darauf konzentrieren und deshalb schweife ich ab. Und werde dann langsamer.
Es ist, als würden mir die Gedanken entgegenkommen und mich bremsen.
Es ist einfach kein schönes Erlebnis, sondern frustrierend.
Das merke ich schon, wenn ich im Fitnessstudio meine 20 Minuten auf dem Crosstrainer stehe. Nach spätestens 5 Minuten denke ich „Laaangweilig!“ und erwische mich dann zwischendurch, wie ich mit den Gedanken woanders und auch langsamer geworden bin.

Ich habe aber beispielsweise Zumba für mich entdeckt. Eigentlich habe ich ja eine wirklich schlechte Körperkoordination und mein Hirn hat echt Mühe Arme und Beine dann in die richtigen Richtungen und im Takt zu bewegen. Aber das ist für mich halt genau das richtige. Ich muss mich die ganze Zeit konzentrieren, mein Hirn hat genug Reize, die es verarbeiten muss. Und so schaffe ich es im Kurs eine Stunde lang durch zupowern.
Und tatsächlich wird meine Körperkoordination auch immer besser.

Richtig gut fand ich beispielsweise auch Pilates, was ich eine zeit lang gemacht habe, bis der Kurs auf eine andere Zeit gelegt wurde, zu der ich nicht kann. Pilates ist zwar eigentlich sehr ruhig, benötigt aber auch sehr viel Konzentration und Körperbeherrschung. Auch hervorragend für mein ADHS Hirn.

Ich nehme seit etwa einem Monat zwar auch Medikinet/Ritalin, aber meistens ist da die Wirkung schon weg, wenn ich Abends zum Sport gehe. Letztens jedoch war ich auch mal mit voller Ritalinwirkung beim Sport und konnte mich plötzlich auch auf dem Crosstrainer richtig geil fokussieren. Ich will nicht sagen, dass es wie Rückenwind war, aber ein bisschen schon. Es ist schon ein großer Unterschied, wenn man nicht die ganze Zeit durch Gedankengestrüpp gebremst wird.
Aber ich würde nicht soweit gehen und für dieses Gefühl dann Abends regelmäßig auch noch mal eine Dosis einzuwerfen. Das ist für mich auch nicht Sinn der Sache das Medikament dafür zu nutzen mich auch in solchen Situationen leistungsfähiger zu machen. (Inwieweit mir Medikinet ansonsten hilft wäre noch einen weiteren Blogpost wert…) Wieso auch? Ich werde einfach keine Langstreckenläuferin, sondern mache Sport, der mir besser liegt.

Das ist eben auch so eine ADHS Sache, grade für die Freizeitgestaltung. Ich habe es aufgegeben Sachen zu wollen, die mir gar nicht liegen, nur weil andere sie total geil finden. Ich werde das Hochgefühl beim Laufen, das andere haben, wahrscheinlich einfach nie erleben – macht aber auch nichts!

Aber es ist gut auch beim Sport Bereiche zu finden, die mir total Spaß machen! Wer hätte gedacht, dass mir grade Zumba so viel Spaß macht? Hätte ich nicht für möglich gehalten. Das ist total motivierend und ich freu mich auf jeden Montag, wenn der Kurs stattfindet und ich eine Stunde lang zu Musik lustige Bewegungen mache, rum hüpfe, vermutlich nicht allzu elegant aussehe aber danach erledigt bin und gute Laune habe.

Und es ist toll die Erfolge zu sehen, die ich durch Sport habe, der mir Spaß macht – immerhin arbeite ich grade an meinem 20. verlorenen Kilo.

3 Gedanken zu „#ADHS und #Sport – Langstreckenläuferin werde ich nicht mehr.

  1. Es gibt ja immer so Leute, die einen bestimmten Sport als das Nonplusultra hinstellen. Und mich freut grandios, wenn Leute einen Sport finden, der sie unendlich glücklich macht. Aber das muss dann ja nicht zwangsläufig die Wunderlösung für alle sein. Ich, beispielsweise, gehe wirklich gerne laufen und freunde mich gerade mit Pilates an. Meine Kollegin hasst Laufen, geht aber regelmäßig zum Standard-Tanzkurs. Und mein Freund ist begeisterter Kraftsportler. Zumba habe ich zwar probiert, aber Arme und Beine gleichzeitig bewegen geht echt nicht – ich kaue ja nicht einmal Kaugummi, wenn ich gehe. ^^

    (Crosstrainer oder das Laufen auf dem Laufband sind für mich übrigens Folter, das ist nämlich wirklich langweilig. Aber im Wald oder zwischen den Obstfeldern auf der anderen Seite des Hügels geht das dann plötzlich. Ich glaube, ich brauche nur eine Ausrede, um mehr draußen zu sein. ^^ )

  2. Hi Maja,

    bin gerade über den Blog Fettlogik auf dich gestossen. Und dann las ich ADHS. *Trigger*

    Das hab ich nämlich auch. Bin bloß schon ein paar Jahre älter (im August werde ich 55).
    Und ich musste schmunzeln, als ich gesehen habe, dass du mit dem Joggen auch nicht klar kommst.

    Ich war seit frühester Kindheit eine Sportskanone (was mir sehr geholfen hat, denn in den 60er Jahren kam bei mir noch niemand auf ADHS). Aber längere Strecken laufen… Ging und geht gar nicht.

    Zu langweilig, die Gedanken kreisen… Nix von wegen in den Flow kommen …

    Früher hab ich Basket-Ball gespielt. Das war genial!

    Heute mache ich Fitness (wenn ich dabei Musik oder ein Hörbuch höre geht es ganz gut) und ich liebe Fahrrad fahren!

    Herzlich
    Carolina

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