Vom Filme gucken #ADHS

Eines der Dinge, worauf ich mich während meines ADHS Diagnoseprozess gefreut hatte, war es mit der Diagnose endlich erklären zu können, warum ich so ungern Filme schaue.
Und dann habe ich das Thema völlig vergessen bis zu dem Tag als der Tod von Roger Moore in den Medien war und ich auf die Bemerkung nie einen James Bond Film gesehen zu haben, die üblichen verständnislosen Reaktionen bekam.
„Oaaaaar BILDUNGSLÜCKE!“
„Fang am besten mit Teil XXX an zu gucken!“
„Du Banause!“
Nun. Ich gedenke nicht, diese Bildungslücke zu schließen, denn ich gucke einfach nicht gerne Filme.
Bzw. ich gucke nicht gerne Filme, weil man sie gesehen haben muss.
Und das liegt auch am ADHS.
Einen Film zu gucken erfordert Konzentration und stillsitzen und ist für mich, wenn mich der Film nicht wirklich, WIRKLICH interessiert, richtig anstrengend.
Deshalb habe ich in den letzten paar Jahren eigentlich nur die Hobbitfilme, das Harry Potter Prequels und die neuen StarWars Filme im Kino gesehen. Weil das Filme sind, die mich interessieren. Weil ich Herr der Ringe, Harry Potter und StarWars liebe. Und weil ich mich dafür auch zusammenreiße.
Ansonsten brauche ich während eines Films die Möglichkeit mal aufzustehen. Oder etwas nebenbei zu machen. Oder auf meinem Handy zu twittern. (#Tatort-Tweets! Die ideale Ablenkung!). Das kannste im Kino nicht bringen. Und wenn du daheim auf dem Sofa einen Film guckst, dann auch nur alleine oder mit sehr verständnisvollen Mitguckern.
Darüber hinaus ist für viele ADHS Menschen die Spannungskurve in Filmen schwer zu ertragen. Fragt mich nicht, wie das mit unserem Hirnstoffwechsel zusammenhängt, aber mit der Spannungskurve steigt auch die innere Spannung. Ich will dann immer wegschalten oder, wenn ich beispielsweise auf Netflix gucke, vor spulen bis die Stelle vorbei ist und sich die Spannung im Plot aufgelöst hat. Aber das geht eben auch nur, wenn man allein ist. Aber deshalb gucke ich Filme und Serien oft in einem Drittel der Zeit, weil ich immer vorspringe. (Dann kann ich mich aber lustigerweise doch auch daran festsuchten. Aber das passiert nur selten.)
Insofern. Liebe Cineasten und Filmfans, nehmt es mir nicht übel, wenn ich eure Begeisterung für Filme nicht teile. Das heißt aber nicht, dass ich eine Kulturbanausin bin oder euer Hobby doof finde. Filme sind einfach meistens nicht mein Ding und passen nicht zu meinem Hirn.

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