10 Gründe, warum Menschen mit #ADHS oft ’nicht ganz reinpassen‘

Ich fand in diesem Internetz einen tollen Blogpost (Link) darüber, warum erwachsene Menschen mit ADHS oft das Gefühl haben, nicht so ganz in Gruppen, Firmen, Freundeskreise hinein zupassen.

Er ist allerdings auf Englisch, aber weil ich mich so darin wiederfand, habe ich beschlossen die Punkte aufzugreifen und halb frei zu übersetzen, halb meine eigenen Erfahrungen anzusprechen. Ich hoffe ihr verzeiht mir diesen Ideendiebstahl, aber ich finde man sollte auch auf Deutsch viel mehr über die Erfahrungen von Menschen mit ADHS lesen, weil im Gegenzug auch so viel Quatsch verbreitet wird!

1. Wir sind verpeilt. Und weil wir wissen, dass wir verpeilt sind, planen wir entweder alles minutiös durch und nerven damit jeden (wie ich persönlich) oder machen erst gar keine Pläne (wie die Autorin des Originalartikels).

2. Wir vergessen Dinge. Namen. Telefonnummern. Geburtstage. Bitte seid nicht böse, wenn wir euch beispielsweise nicht zum Geburtstag gratulieren. Wahrscheinlich haben wir einfach das Datum vergessen. Oder Facebook hat uns zwar daran erinnert, aber unser Hirn hat andere Prioritäten gehabt. Das heißt nicht, dass wir euch nicht mögen!

3. Freundschaften zu schließen und zu halten fällt uns schwer. Oft ist unser Kopf voller Details aus dem Alltag und wir vergessen uns bei unseren Freunden zu melden, weil unser Gehirn schon vom alltäglichen Chaos überwältigt ist. Und manchmal brauchen wir auch einfach Zeit für uns und unser ausgefranztes Gehirn und wollen uns nicht ständig mit Menschen treffen.
Das lässt Menschen denken wir mögen sie nicht oder wir hätten sie vergessen, dabei stimmt das gar nicht. Aber wenn wir einmal mit euch befreundet sind, sind wir treu und freuen uns auch, wenn wir nur alle paar Monate von euch hören.

4. ‚Richtiges‘ Verhalten im sozialen Gefüge ist uns manchmal ein Rätsel. Smalltalk zum Beispiel. Sich mit den Kollegen über belanglose Dinge zu unterhalten ist gut für das zwischenmenschliche Miteinander. Aber wenn wir grade in einem Hyperfocus sind, wenn interessieren uns belanglose Dinge nun mal grade nicht! Dann haben andere Menschen manchmal das Gefühl wir würden uns nicht für sie interessieren oder wir wären unhöflich. Das stimmt aber gar nicht! Ich habe mir Smalltalk selber beibringen müssen, um nicht ständig als totaler Nerd zu gelten, aber mittlerweile habe ich durchaus auch Spaß an typischen Mädchengesprächen mit den Kolleginnen. Und siehe da: Ich fühle mich viel mehr dazugehörig wie früher 🙂

5. Wenn wir dann doch mal gesprächig sind, dann sind wir GESPRÄCHIG! Über Themen, die uns interessieren können wir euch ohne Punkt und Komma ein Schnitzel an die Backe labern, ob es euch interessiert oder nicht. Und wir kriegen leider auch oft nicht mit, ob es andere interessiert. Oder ob das Thema grade angemessen ist. Oder ob wir schon wieder das Gespräch an uns gerissen haben. (Ob ich das jemals lerne?)

6. Ungeduld verstecken? Vergesst es! Auch wenn es auf andere unhöflich wirkt. Grummelnd aus der Warteschlange an der Supermarktkasse gesendet. Oder knurrig aus dem verspäteten Bus.

7. Wir können uns unmöglich an alles erinnern! Leider auch nicht an die Dinge, die euch vielleicht wichtig sind. Wie die Namen eurer Partner, Kinder und Haustiere. Oder an die Wochenendpläne, die ihr uns am Freitag erzählt habt, weswegen wir dann am Montag nicht danach fragen, wie es denn war.

8. Unsere Schreibtische, Schränke, Zimmer sind oft chaotisch, und Ordnung für uns einfach nicht das halbe Leben. Dazu sind unsere Gehirne leider nicht ausgelegt. Wir gelten deshalb oft als nachlässig oder unorganisiert. Aber das stimmt gar nicht, wir Genies überblicken einfach das Chaos 😉 Okay, wenn es zu chaotisch wird, müssen wir uns auch manchmal selbst in den Hintern treten und Ordnung schaffen.

9. Wir fragen zu viel. Wir kennen unsere eigene Verpeiltheit und deshalb fragen wir lieber einmal zu viel nach als zu wenig um alles richtig mitzubekommen und keine Fehler in unsere Aufgaben einbauen. Tschuldigung, wenn wir damit nerven. Es ist auch nicht, weil wir beim ersten Mal nicht richtig zugehört haben. Wir wollen nur sicher gehen!

10. Wir setzen uns für Außenseiter ein. Viele von uns wurden selbst ausgegrenzt oder gemobbt, als wir jünger waren. Einfach, weil wir eben ‚ein bisschen anders ticken‘. Deshalb sind wir empathisch gegenüber denen, die selbst eher am Rande stehen. Damit gehören wir dann zwar nicht unbedingt zu den coolen Kindern, aber eigentlich ist es eine gute Eigenschaft, oder?

Viele dieser Dinge wirken auf den ersten Blick profan und trotzdem sind sie für uns in der Summe oft schwierig. Man kann sich sozial ‚richtiges‘ Verhalten antrainieren, aber wenn das Hirn andere Prioritäten hat, ist es halt trotzdem oft nicht leicht. Grade Punkt 5 ist so ein Thema, das mir oft zum Vorwurf gemacht wurde, weil es rücksichtslos oder arrogant wirkt. Dabei liegt es mir fern eins von beiden zu sein. Aber trotzdem erwische ich mich immer mal wieder dabei Gespräche an mich zu reißen.

Natürlich kann man im Umkehrschluss sagen: Warum sollte ich überhaupt reinpassen wollen und nicht sein wie ich bin? Aber wenn man realistisch ist, funktionieren Menschengruppen so nicht.
Deshalb sind eine gewisse Kenntnis von Social Skills schon echt super. Und ich muss sagen: Je besser ich mir der kleinen Unterschiede bewusst bin, desto selbstsicherer fühle ich mich aber auch auf dem ’sozialen Parkett‘ weil es einfacher wird sich selbst und das Gegenüber einzuordnen. Auch wenn mal wieder was daneben geht.

*Titelbild gefunden auf Pixabay

6 Gedanken zu „10 Gründe, warum Menschen mit #ADHS oft ’nicht ganz reinpassen‘

  1. hallöchen …
    ich kenne einen sehr lieben Menschen … der dieses Syndrom hat – er gilt als Perfektionist – nur so funktioniert sein persönliches Ordnungssystem … und so gelernt hat… sich und seine Nachbarschaft nicht als Separates Werkzeug anzusehen … sondern als Ganzes in Form eigener Aufmerksamkeit seiner Prioritäten die er sich setzt … sobald er sich eingeengt fühlt – macht er Reißaus – er ist wie ein schüchternen Wolf – der erst gut gefüttert werden möchte um das Vertrauen zu stärken – Freunde bedeuten eher für ihn *Kontakte* diese er ungerne aber *unbewusst * vernachlässigt … passt punktgenau auf deine *ADHS* Syndrom Beschreibung … danke für deinen informativen Beitrag …
    liebe Grüße aus dem vernebelten Hildesheim
    die zuzaly 🙂

    1. Ja, es gibt einen Haufen Menschen, die das durch ‚Ordnungswahn‘ kompensieren. Ich kompensiere es ja auch durch übertriebene Pünktlichkeit. Da ist jeder Jeck anders.

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