Abnahme beendet! oder: 4 Sprüche, die ich zum Abnehmen nie wieder hören will!

Gestern habe ich meine Abnahme für beendet erklärt. Ich habe seit Januar 36 Kilo abgenommen – von 102 Kilo auf 66 Kilo.
Oder in anderen Maßen: Von Kleidergröße „So grade noch XL“ auf „Ganz locker S“.

So schlank wie jetzt war ich noch nie und so sportlich und fit auch nicht. Ich fühle mich richtig gut und wohl.

In letzter Zeit ging mein Gewicht aber nicht mehr so richtig nach unten und ich merkte, dass mein Körper mehr Energie benötigt als ich ihm in der Diätphase zugestanden habe. Logisch, wenn nicht mehr so viel Fett da ist, von dem mein Körper zehren kann, dann muss er wieder mehr Energie von außen bekommen.

Mein Plan ist es jetzt nicht wieder einfach alles in mich reinzustopfen, sondern weiterhin viel Sport zu machen und meinem Körper wieder mehr Kohlenhydrate zu gönnen, um auch besser Muskeln aufbauen zu können. Und mehr Muskeln und somit ein höherer Energieverbrauch des Körpers bedeuten natürlich, dass mein Körperfettanteil weiter sinken wird, auch wenn ich nicht mehr an Gewicht verliere.

Ich habe für meine Abnahme viel Anerkennung bekommen und ein paar Menschen sogar dazu inspiriert auch gesünder und sportlicher zu leben. Das macht mich sehr stolz.

Allerdings hat auch gefühlt jeder eine Meinung dazu, wenn man abnimmt und hier sind vier Sprüche, die ich zu dem Thema einfach nicht mehr hören will.

1. Jetzt ist aber mal gut!
Diesen Kommentar habe ich nach 10 Kilo Abnahme gehört, nach 20 Kilo, nach 30 Kilo… oft.
Seien wir realistisch, auch nach 10 Kilo Abnahme war ich immer noch nicht nur übergewichtig sondern adipös. Nach 20 Kilo Abnahme lag ich knapp unter dem Bereich der Adipositas, aber im deutlichen Übergewicht und nach 30 Kilo immerhin noch im leichten Übergewicht. Jetzt liege ich ja immer noch im oberen Bereich des Normalgewichtes, auch wenn mir natürlich bewusst ist, dass solche Werte auch immer grob über den Daumen gepeilt sind, weil Menschen ja unterschiedlich sind.
Aber ich bin mir nicht sicher, was Menschen dazu treibt deutlich übergewichtige, adipöse Menschen von einer Abnahme abbringen zu wollen. Vielleicht ist es eine falsche Wahrnehmung? In den Medien werden meist Menschen mit morbider Adipositas, mit 50, 60 und mehr Kilo Übergewicht, als Bebilderung hergenommen, wenn es um Übergewicht geht.
Womöglich ist es Menschen nicht bewusst, dass Adipositas schon sehr viel niedriger beginnt.
Ich habe immer wieder klarstellen müssen, dass es genau einen Menschen etwas angeht, was ich mit meinem Körper mache, und das bin ich. Ich gebe zu, ich fand das ziemlich nervig.
Fragt Menschen lieber nach ihren Zielen und was sie sich vorstellen. Das ist cooler, als ihnen reinquatschen zu wollen.

2. Aber Abnehmen zeugt doch von einem völlig falschen Schönheitsideal!
Dass eine Abnahme von bestimmten Kreisen anscheinend als ‚Verrat an der feministischen Sache‘ gesehen wird, finde ich sehr problematisch. Wir können nicht Body Positivity propagieren und fordern, dass jede*r mit seinem/ihrem Körper machen kann was er oder sie will – und damit nur Dick-sein meinen. Ich habe mich in erster Linie dafür entschieden abzunehmen, weil es mir gesundheitlich beschissen ging. Und ja, ich fühle mich jetzt auch optisch ziemlich gut. Aber ich verstehe Body Positivity nicht nur so, dass man mit den aktuellen Gegebenheiten abfinden muss, sondern dass man sich auch in einen Zustand versetzen darf, in dem man sich gesundheitlich und optisch gut fühlt.
Man darf Magerwahn in den Medien kritisieren und trotzdem abnehmen. Das geht und das ist kein Widerspruch.

3. Ich steh aber doch gar nicht auf so dünne Hühner!
Du bist nicht mein Freund? Okay, dann will ich deine sexuellen und optischen Präferenzen nicht wissen und ich sehe keine Veranlassung dazu darauf Rücksicht zu nehmen.

4. Diese Abnahme ist doch überhaupt keine besondere Leistung, was gibst du jetzt so an?
Doch. Ich bin 6 Tage die Woche beim Sport, ich habe über Monate eisern Kalorien gezählt (tu ich noch immer, ich esse nur jetzt wieder mehr) und mir echt wenig gegönnt. Ich habe sehr viel Zeit und Willen investiert. Ich finde das ist eine Leistung. Und ein Ergebnis habe ich ja auch: Meine Gesundheit ist wieder top und ich fühle mich pudelwohl. Ja doch, ich bin da stolz drauf.

Und nochmal: Weil ich abgenommen habe, bin ich nicht der Meinung, dass jeder dünn sein muss. Ich bin auch nicht der Meinung, dass dickere Menschen hässlich sind.
Aber ich lehne es ab Body Positivity nur in eine Richtung zu denken. Das ist mir auf meinem Weg in ein schlankeres Leben erst klar geworden, weil mir nie so richtig klar war, was für blöde Sprüche auch dünne Menschen hören.

Körperliche Selbstbestimmung ist mir sehr wichtig, das bedeutet aber, dass man sich logischerweise entscheiden kann mit ein bisschen mehr Körpergewicht absolut zufrieden und selbstbewusst zu leben. Aber es hat niemand das Recht mir reinzureden, wenn ich Übergewicht loswerden will. Grade, wenn es schon auf die Gesundheit schlägt. Alles andere ist Body Positivity gone wrong.

5 Gedanken zu „Abnahme beendet! oder: 4 Sprüche, die ich zum Abnehmen nie wieder hören will!

  1. Hey Maja,

    wirklich ein toller Erfolg.

    Ich selbst versuche auch mein Gewicht zu reduzieren, da ich aber Medikamente nehme die das Gewicht, ohne das man was tut, nach oben treiben, muss ich wohl noch etwas kämpfen. Ich baue dieses Medikament momentan ab und hoffe dadurch endlich wieder schlanker zu werden.

    Ich wiege momentan ca 140 kg und könnte nur heulen, besonders da ich mal 60 kg wog.

    Deine Abnehmerfolg macht mir gerade sehr viel Mut. Ich werde wohl noch öfter auf deiner Seite vorbei schauen um mir wieder einen Stoss in die richtige Richtung zu zeigen.

    Ich finde Frauen mit Kurven schön. Nur leider interpretiert jeder Kurven anders.

    Sei stolz auf deine Leistung und auf deinen Körper, du darfst es.

    Liebe Grüße

    Anja

  2. Glückwunsch! Ich finde es super, dass du stolz auf dich bist. Du hast nämlich vollkommen recht, Body Acceptance geht nur für alle oder keine(n). Viel Erfolg beim Gewicht halten, das ist ja oft noch schwerer als das Abnehmen.

  3. Toller Beitrag – und beeindruckendes Vorbild dafür, wie man seine Lebensgewohnheiten ändern kann und seine Ziele erreichen kann, wenn man genug Willenskraft und Stärke aufbringt.

  4. Mein Favorit ist ja:“Echte Männer stehen auf Kurven, nur Hunde spielen mit Knochen.“ Besonders blöde, wenn ich genau weiß, dass die Person, die das so in den Raum stellt, seit Jahrzehnten immer wieder die gleichen dreißig Kilo ab- und wieder zunimmt und sich wiederholt darüber geäußert hat, wie unglücklich sie sei, aber das sei bestimmt Lipödem, da könne man ja gar nichts machen … – im Ernst, mir ist doch egal, ob andere Leute abnehmen oder nicht, solange sie mit sich und ihrem Leben glücklich sind, aber wo ist denn da der Reiz, sich auf Kosten anderer selbst auf ein Podest zu stellen?

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