Stärkt mir den Rücken und macht mich nicht schwach.

Ich habe über die derzeitige Hashtagaktion #metoo nachgedacht, bzw. über die Reaktionen aus der Bubble auf Berichte über Belästigungen oder Beschimpfungen.

Ich habe ja schon öfter darüber berichtet, dass ich als politische, linke, feministische Frau mit einer Meinung, oft schlimme sexistische Beschimpfungen bis hin zu Vergewaltigungswünschen höre.

Und ich kenne kaum eine Frau mit ähnlich gelagerten Meinungen, die so was noch nie zu hören bekommen hat.

Aber ich merke, dass mir die Reaktionen, grade von Männern aus der feministischen und linken Bubble, manchmal unangenehm sind, weil sie oft sehr mitleidig sind und mich durch dieses Mitleid sehr klein machen.

Oder sie überhöhen mich aus dem einzigen Grund, weil ich eine Frau bin. Obwohl mich das keineswegs automatisch irgendwie moralisch überlegen macht.

Ja, ich habe viele schlimme Sprüche gehört in den letzten Jahren. Menschen haben mir gewünscht vergewaltigt zu werden und dass mir Gewalt angetan wird.

Aber solche Sprüche machen mich nicht hilflos. Sie machen mich nicht schwach. In der Situation, in der ich sowas höre, in der ich überfordert bin, vielleicht. Aber nicht allgemein und als Persönlichkeit.

Liebe Männer, ich möchte nicht, dass ihr euch zum starken Beschützer aufschwingt, oder mich auf einen Podest stellt.

Ich möchte euch als Partner, Freunde, Verbundete. Auf Augenhöhe.
Alles andere macht mir Unbehagen.

Wenn ich mal schwach bin, dann melde ich mich. Aber macht mich nicht schwach. Macht mich gleichberechtigt und ebenbürtig. Das würde mir schon reichen.

Ihr müsst Sexisten nicht für mich aufs Maul hauen, ich möchte denen zusammen mit euch Seite an Seite in den Arsch treten.

Apropos in den Arsch treten. Bisher ging es um die Reaktionen auf Berichte über Belästigungen und ehrverletzende Kommentare.

Ich muss noch einen Schlenker hin zu Reaktionen in Situationen, in denen tatsächlich sexistische Sprüche fallen, machen.

In solchen Situationen möchte ich nämlich nicht allein gelassen werden. Denn das habe ich auch schon zu oft erlebt. Jemand reißt sexistische Sprüche, ich gebe Kontra und alle anderen schweigen.

Da frage ich mich oft: Bin ich jetzt zu zart besaitet? Habe ich einfach nicht klar genug gemacht, dass mir die Situation nicht angenehm ist? Haben es die anderen nicht mitbekommen, wie unangenehm mir das ganze ist? Oder fanden sie es womöglich alles sogar lustig?

Und schon bin ich wieder in der Spirale aus Selbstrechtfertigung und Selbstbeschuldigung.

Nein, wenn ich nicht klein gemacht werden möchte, dann bedeutet das nicht, dass ihr schweigen sollt, wenn ihr Belästigung mitbekommt. Dann stellt euch gefälligst an die Seite der Belästigten. Dann macht den Mund auf und gebt kontra und seid solidarisch.

Guckt nicht zu. Seid partnerschaftlich. Freundschaftlich. Solidarisch. So wie ihr es zu einem Kumpel, der dumm angemacht wird, auch wärt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.